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IJB Aktuell

Nächster Halt: Sozialpolitik

 

Zweiter Halt Sozialpolitik: Kinder- und Familienzentrum Sophie Scholl der Lebenshilfe Gießen. Mitfahrerinnen zu dieser Station waren Gerda Weigel-Greilich und Kerstin Gromes,

Spitzenkandidatinnen der Grünen in Stadt und Kreis. Das Lebenshilfe-Haus am Stolzenmorgen liegt mitten im Neubaugebiet Alter Flughafen. Der Neubau füllt sich langsam mit Leben: Anfang Februar eröffnete das Kinder- und Familienzentrum im Erdgeschoss, in den oberen Stockwerken entsteht eine inklusive Wohngemeinschaft sowie das Projekt „Begleitete Elternschaft“. Vor dem Haus trafen die Grünen-Politikerinnen Martina Ertel und Gabi Mehmet von den Ambulanten Hilfen der Lebenshilfe, zusammen mit einer jungen Mutter eines behinderten Kindes. „Die Ambulanten Hilfen sind Teil des Dorfes, um ein Kind zu erziehen“, eröffnete Martina Ertel, Leiterin dieses Bereichs, das Gespräch. Und damit gab sie ein wichtiges Stichwort für diese Station: Mittelpunkt des „Dorfes“ sollen nach Ansicht von Weigel-Greilich und Gromes die Familienzentren sein. Hier liegt die inklusive Zentrale für frühkindliche Bildung und Beratung. Großen Nachholbedarf gibt es an der Schnittstelle zur Grundschule. Am 1. Mai starten die Ambulanten Hilfen ein Pilotprojekt zur Beratung von Eltern, deren Kinder mit Handicap im Grundschulalter sind. Gerade in dieser Zeit stehen Eltern mit Beratungsbedarf häufig allein da: „Manchmal weiß man noch gar nicht, welche Fragen man hat, man weiß nur, dass man Sorgen und Nöte hat“, erklärt Ertel die Notsituation von Familien. Rückenwind bekommt das Projekt durch das Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen, das aktuell in der Beschlussphase ist.

Beratungsstrukturen im ländlichen Raum

Dritter Halt Sozialpolitik: Astrid Eibelshäuser und Sabine Scheele-Brenne von der SPD in Stadt und

Kreis besuchten die Außenstelle des Vereins für Psychosoziale Therapie in Hungen. Vor dem

Gespräch mit Jutta Becker, Leiterin der Beratungszentren in Laubach und Grünberg, erläuterten die Politikerinnen die Schwerpunkte ihrer Sozialpolitik. Für Eibelshäuser sind dies frühkindliche Bildung und Erziehung mit dem Ausbau von Kitas. Ein besonders Anliegen sind für sie auch die Themen zeitgemäße Jugendarbeit und altersgerechtes Leben und Wohnen. Sabine Scheele-Brenne ergänzt für den Kreis die Themen bezahlbarer Wohnraum, Wirtschaftsförderung und gesellschaftliches Miteinander. Der Verein für Psychosoziale Therapie berät im Osten des Landkreises mit rund 70.000 Einwohnern Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Im Schnitt führen die 3,5 Hauptamtlichen der Beratungszentren rund 2.500 Beratungsgespräche pro Jahr. Hauptsorge von Jutta Becker gilt den Menschen in belastenden Lebenssituationen. Hinzu kommt die unsichere finanzielle Situation: „Wir sind am Anschlag. Gerade durch Corona wachsen die Sorgen, die Suchtproblematik nimmt zu.“ Astrid Eibelshäuser und Kerstin Gromes sicherten den Beratungsstellen weitere Förderung zu: „Wir unterstützen Sie weiter – gerade jetzt, wo der Bedarf steigt, lassen wir Sie nicht allein.“

Wohnungsbau und Ehrenamt

Vierter Halt Sozialpolitik: Auf der grünen Wiese zwischen Hungen und Gießen traf sich Barbara

Lindemann von der CDU in Biebertal mit Sönke Müller vom Freiwilligenzentrum Gießen. Beim

Interview im Bus herrschte gute Stimmung; Herzensangelegenheit beider ist das Thema

Wertschätzung und Anerkennung. Lindemann engagiert sich in Biebertal für Orte der Begegnung. Besonders fehle es an Orten für Jugendliche. Als Geschäftsführerin einer Bauträgergesellschaft setzt sie sich für alters- und behindertengerechtes Wohnen ein. Sie selbst baut ökologisch und will durch die Bauweise nebenkostenarmes Wohnen ermöglichen. „Die Baupreise sind zu hoch, da die Anforderungen an den Bau durch zu komplizierte Richtlinien zu hoch sind. Das erschwert den Sozialen Wohnungsbau zusätzlich“, erklärte Lindemann. Sönke Müller sorgt sich um die Zukunft von Vereinen. Hier bedürfe es, neben Geld, vor allem langen Atem, Anerkennung und Unterstützung. Hoffnungsvoll gestartete Projekte wie das „Nachtcafé“, das Menschen in schwierigen Lebenssituationen Halt und Zuspruch bietet, muss wegen Corona pausieren. 

Kinderarmut

Fünfter Halt Sozialpolitik: Vor der Rückfahrt in die Stadt stießen Ali Al-Dailami und Reinhard Hamel,

Spitzenkandidaten der Linken in Stadt und Kreis zur Tour dazu. Neben allgemeinen Fragen zur Sozialpolitik stand nun das Thema Kinderarmut auf der Tagesordnung. Die Parität vertraten Gabi

Keiner, Geschäftsführerin des Kinderschutzbund Gießen und Ralf Gockel von Aktino, Kontakt- und

Beratungsstelle für Jugendliche in der Gießener Nordstadt. Besonders drängende Themen sind für AlDailami bezahlbarer Wohnraum, öffentliche Infrastruktur und Armutsbekämpfung. Auf Kreisebene kritisierte Reinhard Hamel die starren Vertragsstrukturen für den ÖPNV. Verbesserung der Infrastruktur sei nur möglich, wenn Verträge mit Verkehrsunternehmen gelöst werden, um flexibel auf Bedarf zu reagieren. Auch das Thema Bürgerbeteiligung muss auf Kreisebene erst entwickelt werden. Verfüge die Stadt mit der Bürgerbeteiligungs-Satzung schon über gut genutzte Strukturen, werden im Landkreis Konzepte, wie z. B. für Radwege, gänzlich ohne nachhaltige Beteiligung von Bürger*innen beschlossen. Im Gespräch mit Gabi Keiner und Ralf Gockel steht die Bekämpfung von

Kinderarmut im Vordergrund. Zentrale Stellschraube sei hier die finanzielle Ausstattung von Kita und Schule: „Gerade Kitas und Schulen in sozialen Brennpunkten müssen die beste Ausstattung haben. Wenn ich mir die Kitas im Flussstraßenviertel anschaue, sehe ich, dass wir davon noch weit entfernt sind“, beschreibt Hamel die Situation. Kinder aus armen Familien sind in der Kinderbetreuung unterrepräsentiert. Hier müssen die Zugänge verbessert werden und Betreuungsplätze erhöht werden. 

Bezahlbarer Wohnraum

Sechster Halt Sozialpolitik: Auf einem Parkplatz an der Marburger Straße fand der letzte StaffelstabWechsel statt. Die Kandidaten der Linken übergaben an Dr. Klaus-Dieter Greilich (FDP), der mit dem Bus zur letzten Station in der Nordstadt aufbrach, um im Quartier Margaretenhütte Lutz Perkitny vom Nordstadtzentrum und Stefanie Paul von der Projektgruppe Margaretenhütte zu treffen.

Greilich ist Fraktionsvorsitzender der FDP in der Stadtverordnetenversammlung. Im Gespräch mit den

Akteuren der sozialen Arbeit geht es um bezahlbaren Wohnraum. Tanja Kasten, Bewohnerin des

Flussstraßenviertels, fragte Greilich, wie er die Instrumente Ankauf von Belegungsrechten und

Erweiterter Wohnberechtigungsschein bewerte. Der Ankauf von Belegungsrechten hat das Ziel, die

Anzahl der Sozial-Wohnungen zu erhöhen. Die Wohnbau Gießen GmbH verfügt aktuell über einen Bestand von 7.122 Wohnungen, von denen sich nur noch 1.500 Wohnungen in der Sozialbindung befinden. Greilich befürwortete beide Instrumente, hinterfragte jedoch die Finanzierbarkeit. Laut Wohnraumversorgungskonzept sollen in Gießen bis 2030 bis zu 1.500 Wohnungen mit Sozialbindung entstehen. Lutz Perkitny beklagte einen eklatanten Mangel an kleinen Wohnungen und

Familienwohnungen. Bisher scheitere die Praktikabilität von Wohnungstauschbörsen daran, dass es für tauschwillige Menschen mit größeren Wohnungen keine günstigen kleineren Wohnungen gebe. 

Persönliche Begegnung und individuelle Lösungen

Die Teilnehmer*innen der Bus-Tour sind sich am Ende des Tages einig, dass es – gerade in CoronaZeiten – alternative Formate der analogen Begegnung bedarf. Denn die Politik benötigt Akteure wie die sozialen Träger als Kooperationspartner und die Akteure benötigen gut informierte politische Entscheider. Voraussetzung dafür ist der vertrauensvolle Austausch, um gemeinsame

Gestaltungsspielräume auf kommunaler Ebene zu nutzen. Die besondere Form der Veranstaltung schaffte Raum für persönliche Begegnungen und individuelle Lösungsansätze. Claudia Klee vom Paritätischen: „Das Ziel der heutigen Veranstaltung war, die Aufmerksamkeit für den Bedarf unserer

Mitglieder und deren Klientel zu erhöhen und den Dialog zu organisieren. Wir wollen nicht nur über Menschen reden, sondern suchen nach Formaten, die einen Dialog auf Augenhöhe ermöglichen. Und mit unseren Interview-Filmen wollen wir nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Wahlentscheidung der Bürger*innen leisten.“

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